Zendralli, Graubünder Baumeister

Es sind über drei Jahrzehnte verstrichen, seitdem B. Pfeiffer, der in seinen kunsthistori­schen Forschungen in Oberschwaben des öf tern auf Künstler aus dem « Thale Misox» ge­stossen war, schrieb: «Das Auftreten von Graubündnern in Süddeutschland im I7. Jahr­hundert ist eine merkwürdige Erscheinung; niemand hat bisher auf ihre Landsmannschaft
und Zusammengehörigkeit aufmerksam gemacht.» (B. P., Kultur und Kunst in Ober­schwaben im Barock- und Rokokozeitalter. Stuttgart 18 96. S. 24). Kurz nachher, 1902, aber sprach C. Gurlitt (Geschichte der Kunst. Stuttgart. Bd. Il, S. 523) von den Graubünd­nern als von den Meistern, die zur Seite der Lawiserseemeister im deutschen Norden schaffen, und «wenngleich nicht so zahlreich als die Männer vom Lawisersee, ihnen an Tüchtigkeit gleich, ja sogar überlegen erscheinen.» Doch erst 1912 kam die erste breit­angelegte Monographie über den einen grossen Graubündner heraus – Der Baumeister Henrico Zucalli am Kurbayerischen Hofe zu München (ca. 1642-1724). Strassburg. -, wo­bei der Verfasser, Richard A. L. Paulus, an Hand eingehender archivalischer Studien nebst dem Leben und den Werken Z.s, die Reihe der um ihn sich scharenden Familienglieder und Landsleute anführte und eine vom bündnerischen Dorfe Roveredo «ausgehende (künst­lerische Bewegung» nachwies. 1914 fand ein anderer Graubündner, Giovanni Antonio Vis­cardi, Kurfürstlicher Hofbaumeister in München (1645-1713) eine gebührende Wür­digung seiner Tätigkeit in der allerdings ungedruckt gebliebenen Würzburger-Dissertation von Fr. ]. Bayer, der aber dem Meister keine nähere Heimat zuzuweisen vermochte.
Zur Klärung der von den Graubündnern ausgelösten Bewegung und zur Festlegung ihrer Träger fehlten bis dahin die nötigen Unterlagen. Und der Weg, um diese zu erlangen, musste in die Heimat der Meister führen.
Die vorliegende Arbeit verfolgt den doppelten Zweck, einerseits die Voraussetzungen des örtlichen und zeitlichen Ausgangspunktes der graubündnerischen Bewegung näher zu umschreiben und somit dem deutschen Forscher neue Argumente zur Erfassung der Vor­bedingungen der kunstreichen Barock- und Rokokozeit zu übermitteln, anderseits aber der Heimat der Meister einen Einblick in die künstlerischen Errungenschaften von Lands­kindern zu vermitteln, die bis jetzt so ziemlich unbekannt sind.

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